Frau beißt in einen grünen Apfel – Titelbild zum Glossarbegriff Parodontitis
Parodontitis · Glossar

Parodontitis – einfach erklärt

Was ist Parodontitis?

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats. Dabei können das Gewebe, das die Zähne verankert, und der Kieferknochen abgebaut werden. Unbehandelt kann die Erkrankung zu Zahnlockerung und Zahnverlust führen. Sie verläuft häufig lange ohne Schmerzen und sollte frühzeitig erkannt und behandelt werden. [1]

Der Zahnhalteapparat ist das Stützsystem eines Zahnes: Zu ihm gehören Zahnfleisch, Kieferknochen, Wurzelzement und feine Haltefasern. Diese Fasern verbinden die Zahnwurzel mit dem Knochen. Auch Zähne ohne Karies können ihren Halt verlieren, wenn die Entzündung fortschreitet. [1]

Begriffe und Abgrenzung

Was ist der Unterschied zu Gingivitis und Parodontose?

Bei einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist zunächst das Zahnfleisch betroffen. Sie kann sich zurückbilden, wenn die Ursache beseitigt wird. Bei einer Parodontitis sind auch die Verankerung der Zähne und der Knochen betroffen. Nicht jede Gingivitis entwickelt sich zu einer Parodontitis. [2]

„Parodontose“ wird umgangssprachlich oft für dieselbe Erkrankung verwendet. Der medizinisch übliche Begriff lautet Parodontitis. Die Endung „-itis“ bezeichnet eine Entzündung. [1]

Wie entsteht Parodontitis?
Entstehung

Wie entsteht Parodontitis?

Bakterien im Zahnbelag, auch Biofilm oder Plaque genannt, lösen eine Entzündungsreaktion aus. Bei anfälligen Menschen kann diese Reaktion das Gewebe des Zahnhalteapparats schädigen. Zwischen Zahn und Zahnfleisch können vertiefte Taschen entstehen, die sich mit häuslicher Pflege nur eingeschränkt reinigen lassen.

Plaque und Zahnstein sind nicht dasselbe: Plaque bezeichnet einen weichen bakteriellen Belag. Lagern sich Mineralien ein, kann daraus harter Zahnstein werden. Festsitzende Ablagerungen lassen sich mit der Zahnbürste nicht entfernen. Entscheidend für die Erkrankung ist das Zusammenspiel von bakteriellem Biofilm und der Entzündungsreaktion des Körpers. [1]

Symptome und Warnzeichen

Welche Warnzeichen sind möglich?

Frühe Anzeichen

  • Zahnfleischbluten: wiederholt beim Putzen oder Reinigen der Zahnzwischenräume.
  • Rötung und Schwellung: Das Zahnfleisch wirkt gereizt; auch anhaltender Mundgeruch kann auffallen.

Fortgeschrittene Symptome

  • Zahnfleischrückgang: Zahnhälse liegen frei und können empfindlich reagieren.
  • Lockerung oder Verschiebung: Zähne verlieren Halt, neue Lücken oder ein veränderter Biss können entstehen. Schmerzen beim Kauen können hinzukommen.

Die Einteilung hilft bei der Orientierung, erlaubt aber keine sichere Bestimmung des Erkrankungsstadiums. Auch eine fortgeschrittene Parodontitis kann schmerzarm bleiben. Blutungen können bereits bei einer Gingivitis auftreten; Zahnfleischrückgang hat ebenfalls andere mögliche Ursachen. Bei Rauchenden können Blutungszeichen schwächer sein. Wiederkehrende oder neue Veränderungen sollten zahnärztlich abgeklärt werden. [1] [2]

Ursachen und Risikofaktoren

Welche Risikofaktoren spielen eine Rolle?

Die individuelle Anfälligkeit entscheidet mit darüber, ob und wie schnell die Entzündung fortschreitet. Gute Pflege senkt Risiken, schließt eine Erkrankung aber nicht sicher aus.

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

  • Rauchen: Es erhöht das Erkrankungsrisiko und kann den Behandlungserfolg verschlechtern.
  • Unzureichende Belagentfernung: Bleibt Biofilm dauerhaft an Zähnen und Zahnzwischenräumen, werden Entzündungen begünstigt.

Medizinische Risikofaktoren

  • Diabetes: Besonders bei schlecht eingestelltem Blutzucker können Entzündungen häufiger auftreten und schlechter abheilen.
  • Veranlagung und Abwehrlage: Genetische Faktoren und bestimmte Erkrankungen des Immunsystems können das Risiko beeinflussen.

Auch Stress, hormonelle Veränderungen und bestimmte Medikamente können die Zahnfleischgesundheit beeinflussen. Sie sind bei der individuellen Einschätzung zu berücksichtigen; nicht jeder Einfluss ist automatisch eine Ursache für Parodontitis. [1]

Früherkennung und Diagnose

Wie wird Parodontitis festgestellt?

Der Parodontale Screening-Index (PSI) ist eine kurze Untersuchung zur Früherkennung. Er liefert Hinweise darauf, ob eine genauere Untersuchung notwendig ist. Ein auffälliger PSI allein ersetzt noch keine vollständige Diagnose.

Für die Diagnose werden unter anderem Zahnfleischtaschen, Blutungszeichen und der Halt der Zähne beurteilt. Je nach Befund kommen Röntgenaufnahmen hinzu, um den Knochen zu beurteilen. Darauf baut die individuelle Behandlungsplanung auf. [3]

Mit einer feinen Messsonde wird vorsichtig geprüft, wie tief der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch ist. Zusammen mit den weiteren Befunden helfen die Messwerte, den Zustand und spätere Veränderungen zu beurteilen. [3]

Behandlung im Überblick

Wie wird Parodontitis behandelt?

Die Behandlung soll die Entzündung zurückdrängen und weiteren Gewebeverlust begrenzen. Dazu gehören eine auf den Befund abgestimmte Mundhygiene, die Kontrolle beeinflussbarer Risikofaktoren und die Reinigung erkrankter Wurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischrandes.

Nach einer Heilungsphase wird das Ergebnis überprüft. Bei weiter bestehenden tiefen Taschen können zusätzliche Maßnahmen, in bestimmten Fällen auch ein chirurgischer Eingriff, sinnvoll sein. Eine gewöhnliche professionelle Zahnreinigung allein ersetzt die Parodontitisbehandlung nicht. [4]

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Nachsorge und Alltag

Warum ist die Nachsorge wichtig?

Parodontitis kann nach einer Behandlung erneut aktiv werden. Die unterstützende Parodontaltherapie (UPT) verbindet deshalb regelmäßige Kontrollen mit Mundhygieneunterstützung und einer am Befund ausgerichteten Reinigung. Die Abstände werden individuell festgelegt. Die UPT umfasst mehr als eine gewöhnliche PZR und wird durch diese nicht ersetzt. [4] [5]

Für den Alltag sind eine regelmäßige, sorgfältige Reinigung der Zähne und passende Hilfsmittel für die Zahnzwischenräume wichtig. Welche Bürstchengröße oder Technik geeignet ist, lässt sich praktisch zeigen. Die häusliche Pflege und die Betreuung in der Praxis ergänzen sich dabei: Beläge möglichst täglich zu begrenzen bleibt auch dann wichtig, wenn sich das Zahnfleisch nach einer Behandlung wieder unauffällig anfühlt. [5]

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Parodontitis (FAQ)

  • Eine Behandlung kann die Erkrankung langfristig stabilisieren. Bereits verlorenes Gewebe bildet sich meist nicht von allein zurück. In ausgewählten Fällen können regenerative Verfahren infrage kommen. Der weitere Verlauf hängt unter anderem vom Ausgangsbefund, den Risikofaktoren und der konsequenten Nachsorge ab. [5]

  • Parodontitis und Diabetes können sich gegenseitig ungünstig beeinflussen. Auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehen wissenschaftlich untersuchte Zusammenhänge. Daraus lässt sich kein Versprechen ableiten, dass eine Zahnbehandlung Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindert. Bekannte Allgemeinerkrankungen sollten bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden. [1] [6]

  • Lassen Sie wiederkehrendes Zahnfleischbluten, anhaltenden Mundgeruch oder Zahnfleischrückgang abklären. Bei neu auftretender Zahnlockerung, Eiter oder Schwellung sollten Sie die Praxis zeitnah kontaktieren. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen bleiben auch ohne Beschwerden sinnvoll. [2]

  • Gingivitis betrifft das Zahnfleisch und kann sich bei beseitigter Ursache zurückbilden. Bei Parodontitis sind auch die Verankerung der Zähne und der Kieferknochen betroffen. Nicht jede Gingivitis entwickelt sich zu einer Parodontitis. [2]

  • Nein. Eine PZR kann die Mundhygiene unterstützen, ersetzt aber keine gezielte Behandlung erkrankter Wurzeloberflächen unter dem Zahnfleischrand. Auch die anschließende unterstützende Parodontaltherapie (UPT) umfasst mehr als eine gewöhnliche PZR. [4] [5]

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Fachlich geprüft durch Andreas Haas, M.Sc., Zahnarzt
Stand der Bearbeitung: 11.10.2026